Nachgerechnet

 

Auswirkungen der betrieblichen Altersvorsorge / Riester-Rente auf die Grundrente

 

Der Entschluss der Bundesregierung, die Lebensleistung der Menschen mit einer Grundrente zu würdigen, die mindestens 35 Jahre gearbeitet haben und dabei durchschnittlich zwischen 30% und 80% des Durchschnittsentgeltes verdient haben, ist aus sozialen Aspekten richtig.

Wie den Medien zu entnehmen ist, wurde dabei lange um die Bedürftigkeitsprüfung gestritten. Im Kompromiss hat man sich auf eine Einkommensprüfung geeinigt, bei der das zu versteuernde Einkommen, unter Hinzurechnung der steuerfreien Anteile der gesetzlichen Rente und der Kapitalerträge, einen Freibetrag nicht bzw. nur teilweise (Gleitzone) überschreiten darf. Für Alleinstehende liegt der Freibetrag bei 1.250,00 EUR monatlich. Bei Ehepartnern beträgt der Freibetrag 1.950,00 EUR monatlich.

 

Für uns stellt sich die Frage, ob die Rente aus einer ggf. abgeschlossenen privaten Altersvorsorge (z.B. Riester-Rente oder betriebliche Altersvorsorge (bAV)) zur Überschreitung der Freibeträge führt und in der Folge keine Grundrente gezahlt wird, obwohl ohne die Rente aus der privaten Altersvorsorge ein Anspruch bestehen würde. Dazu möchten wir im Folgenden drei Beispiele betrachten.

 

1. Beispiel

Bürokauffrau, alte Bundesländer, alleinstehend, 1 Kind, 775 EUR gesetzliche Rente monatlich (0,62 Entgeltpunkte durchschnittlich), 38 Jahre berufstätig, zusätzliches monatliches Einkommen (bAV und Riester): 200 EUR monatlich

 

Die Anspruchsvoraussetzungen sind erfüllt. Die Rentnerin erhält einen Zuschlag von 0,18 Entgeltpunkten für 35 Jahre in Höhe von 208,22 EUR monatlich. Dieser Zuschlag ist um 12,5% zu kürzen, so dass ein Zuschlag von 182,19 EUR monatlich verbleibt. Ein weiterer Abzug erfolgt nicht, da mit der Grundrente der Freibetrag in Höhe von 1.250 EUR für Alleinstehende nicht überschritten wird.

 

 

2. Beispiel

Altenpflegerin, alte Bundesländer, verheiratet (Ehegattensplitting), 2 Kind, 452 EUR gesetzliche Rente monatlich (0,36 Entgeltpunkte durchschnittlich), 38 Jahre berufstätig, monatliche Rente Ehemann: 1.600,00 EUR, kein zusätzliches monatliches Einkommen (bAV und Riester)

 

Die Anspruchsvoraussetzungen sind erfüllt. Die Rentnerin erhält einen Zuschlag von 0,36 Entgeltpunkten für 35 Jahre in Höhe von 416,44 EUR monatlich. Dieser Zuschlag ist um 12,5% zu kürzen, so dass ein Zuschlag von 364,38 EUR monatlich verbleibt. Aufgrund der Rente des Mannes wird der Freibetrag für Verheiratete in Höhe von 1.950 EUR, nach Hinzurechnung des Zuschlages, überschritten. Der Zuschlag muss somit auf 135,16 EUR monatlich reduziert werden (ohne Berücksichtigung einer evtl. Gleitzone).

 

3. Beispiel

Wie 2. Beispiel, zusätzliches monatliches Einkommen (bAV und Riester): 150 EUR monatlich

 

Die Anspruchsvoraussetzungen sind nicht erfüllt, weil durch das zusätzliche Einkommen der Freibetrag für Verheiratete, in Höhe von 1.950 EUR, bereits vor Hinzurechnung des möglichen Zuschlages (siehe 2. Beispiel) überschritten wird (ohne Berücksichtigung einer evtl. Gleitzone).

 

Fazit:

Bei Alleinstehenden sollte ein zusätzliches monatliches Einkommen, resultierend aus Riester, bAV etc., tendenziell zu keinen Kürzungen der Ansprüche auf Grundrente führen. Bei Eheleuten (Ehegattensplitting) kann es durchaus zu einer Kürzung des Anspruchs auf Grundrente bzw. kompletten Wegfall des Anspruchs auf Grundrente kommen. In diesen Fällen wäre ein einfacher Banksparplan bzw. ETF-Sparplan, der in der Rentenphase auf Tagesgeldkonten „geparkt“ wird und dort (fast) kein hinzuzurechnendes Einkommen erzielt sinnvoller gewesen.

 

Anzumerken wäre noch, dass Anspruchsberechtigte der Hinzurechnung durch eine Kapitalauszahlung der Riester- (ggf. förderschädlich) / bAV-Verträge (sofern möglich) vor Renteneintritt evtl. entgehen könnten, da keine Vermögensprüfung bei der Grundrente vorgesehen ist. Fraglich ist, ob diese momentane Regelungslücke bestehen bleibt.

 

Zur Simulation unterschiedlicher Szenarien haben wir ein kleines Tool erstellt:

 

Simulationstool Grundrente

 

 

 

Bitte beachten Sie, dass diese Ausführungen auf dem momentanen Kenntnisstand (14.11.2019) zur Grundrente beruhen und ggf. von uns überarbeitet werden, sollten sich neue Kenntnisse ergeben.